Theater Gelsenkirchen, 1957-59

"Eine offene Gesellschaft fordert offene Theaterspielformen. Offene Theaterspielformen fordern eine offene Theaterarchitektur" (Werner Ruhnau). 

Theater Gelsenkirchen, Großes Haus

In der Tradition u.a. von Adolphe Appia und Erwin Piscator liegt dem 1959 entstandenen Theaterbau das Konzept des "Spiels" und der Integration des Zuschauers in das Theatergeschehen zugrunde. Dies sowohl in der Gestaltung von Bühnen- und Zuschauerraum wie hinsichtlich der Außenwirkung des Gebäudes selbst. Die Transparenz der Glasfassade und die Binnenstrukturen der Treppen und Ränge lassen - bei Beleuchtung des Foyers - den Theaterbesucher von außen gesehen selbst zum Akteur werden.

Ruhnau knüpft damit an Prinzipien von Mies van der Rohe und Walter Gropius an. Innen- wie Außenräume des Komplexes entstanden in Kooperation von Werner Ruhnau mit mehreren Künstlern. In der Bauhütte der “Alten Feuerwache" wurde gemeinsam experimentiert, diskutiert, konzipiert, gestritten, gelacht, gewohnt und gegessen.

Vom Asphaltgrau von Foyerboden und Decke über die Gestaltung und Struktur der Wände, über die Lichtregie bis hin zu dem Entwurf der Geländer, Tische und Stühle mußte jedes Detail auf das Ganze abgestimmt werden.

Theater Gelsenkirchen, Großes Haus, Blick in den östlichen Foyerbereich

Werner Ruhnau, Ernst Oberhoff und Yves Klein entwickelten die blauen Wandreliefs. Der Bildhauer Paul Dierkes gestaltete u.a. die Foyerwand des Auditoriums. Robert Adams schuf eine Reliefwand aus Beton an der Kassenhalle vor dem Großen Haus.

Die Fassade des Kleinen Hauses ist dominiert von der horizontalen Flächenbahn aus Strahlrohrbündeln von Norbert Kricke. Die Wassersäulen davor kamen nicht zur Ausführung. Im Foyer des Kleinen Hauses finden sich Objekte von Jean Tinguely.

Relief aus Stahlrohrbündeln von Norbert Kricke an der Südwand des Kleinen Hauses. Das Modell zeigt außerdem die 5-6 m hoch geplanten Wassersäulen.

Vertrag über die Regeln des Zusammenlebens in der Bauhütte der Alten Feuerwache, Gelsenkirchen

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