Yves Klein

Farbig angelegte Perspektive des Foyers im Großen Haus des Gelsenkirchener Theaters

Die raumgreifenden, blauen Wandreliefs von Yves Klein (1928-1962) wurden gemeinsam von Künstler und Architekt konzipiert und (auch politisch) durchgesetzt. Die lebendige Struktur des mit Gipsputz überzogenen Ziegeldrahtgewebes als Bildträger - entweder durch poröse Schwämme erhöht (Schwammreliefs) oder durch Einwurf von Steinchen vertieft - steigert noch die Strahlkraft des klaren, leuchtenden Ultramarinblau.

Yves Klein bei der Arbeit im Foyer, Theater Gelsenkirchen

Yves Klein auf der Arbeitsgiraffe zwischen Schwammrelief und östlicher Bildtafel

Schon die Entwicklung des Trägermaterials war ein längerer Prozeß, an dem auch der Bildhauer Paul Dierkes beteiligt war. Ebenso war die Entwicklung der Farbe, des speziellen “Gelsenkirchener Blau”, eine Gemeinschaftsproduktion, an der maßgeblich noch Ernst Oberhoff mitgewirkt hat. Realisiert wurde nicht das mit Kunststoff-, sondern mit Wasserbindern aufgetragene Pigment.

Werkstück zur Dokumentation des Herstellungsprozesses der Schwammreliefs

Klimatisierung des Raumes” durch Farbe, “eine Blaue Überspannung” und “Immaterialisation”, waren die Schlagworte, die auch die zahlreichen weiteren Projektideen von Yves Klein und Werner Ruhnau prägten. Wie das “Theater der  Leere”, die “Partei der blauen Patrioten”, die Gründung einer “Schule der   Sensibilität”. Diese sollte im Hinterland von Nizza entstehen und alle Bereiche der Künste und des Lebens vereinen. Mit Dozenten wie dem Architekten Frei Otto bis zum Musiker John Cage. “Die Schule der Sensibilität will Imagination und  Immaterialisation. Sie will die Freiheit im Sinne des Herzens und des Kopfes” (Werner Ruhnau / Yves Klein).

Ein weiteres gemeinsames Konzept zur Klimatisierung des Raumes war die Entwicklung einer “Luftarchitektur”, mit Luftwänden und Luftdächern, etwa bei dem – nicht realisierten – Projekt eines “Tempels der Elemente” auf dem Theatervorplatz mit einem nur durch Luftströme wettergeschützten Café, mit Wasserspielen und Feuerfontänen.

Modell des Tempels der Elemente

Luftdachexperiment mit Yves Klein und Werner Ruhnau bei der Firma Küppersbusch in Gelsenkirchen.

Aufgrund der gemeinsam mit Yves Klein entwickelten Idee einer Luftarchitektur schlug Werner Ruhnau 1959 für das Freilichttheater in der Stiftsruine Bad Hersfeld ein Luftdach vor. Zuschauer- und Bühnenbereich sollten durch eine Pressluftdecke geschützt werden. Das Projekt wurde nicht realisiert.

Yves Klein / Werner Ruhnau - Multiples

In der Folge des Gelsenkirchener Projektes entstanden Multiples in unterschiedlicher Auflage. Die Objekte wurden, den gemeinsamen Planungen entsprechend, in Miturheberschaft von Werner Ruhnau hergestellt und rückseitig entsprechend signiert. Eingesetzt wurden dabei ausschließlich Originalmaterialien der Gelsenkirchener Arbeiten. Die Schwammkombinationen aller ungefärbten Reliefs und eines Teils der eingefärbten Tafeln wurden noch von Yves Klein an der Baustelle hergestellt.

Hommage an Yves Klein. Schwammrelief auf Ständer, Masse variiernd zwischen 26 x 55 und 30 x 73. Auflage 12 Exemplare

Kleines Querrechteck mit "perforiertem" Rand, 20 x 25. Auflage: 700 Exemplare. Gefertigt anläßlich der Dokumentationsausstellung "Yves Klein/ Werner Ruhnau" in der Galerie Denise Rene/ Hans Mayer, Düsseldorf 1976.

Ein Gesamtüberblick über die käuflich zu erwerbenden Multiples findet sich unter Verkäufliche Objekte.

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