Herta KG, Herten, 1972

Die “klimatisierte Bürolandschaft” von Werner Ruhnau u.a. mit Wassersäulen von Nobert Kricke

Das Verwaltungsgebäude der Herta KG (knapp 6.000 qm auf zwei Etagen) wurde von Werner Ruhnau mit einer konsequenten Gliederung des Baukörpers als “klimatisierte Landschaft” konzipiert, die humanes Arbeiten und Raum-Erleben ermöglicht. Der bewußten Terrassierung der Flächen, der Vermeidung von schlauchartigen Korridoren zugunsten von “Wegen durch die Bürolandschaft” entspricht die Verflechtung von Kunst und Architektur. 

Eingang zum Verwaltungsgebäude der Herta KG mit einer Farbscheibe von Rupprecht Geiger

Rupprecht Geigers (*1908) leuchtende “Farbkörper” akzentuieren die Decke, erleichtern die Orientierung im Gebäude, klimatisieren mit warmen und kalten Klängen, mit Modulationen von Hell nach Dunkel den sie umgebenden Raum. “Farbe macht Licht, Raum, Bewegung und Zeit” (Geiger).

Multiple "Farbrolle" von  Rupprecht Geiger

Ruhezone

In den Pausenzonen installierte Norbert Kricke “Wassersäulen”, Adolf Luther Wandobjekte aus Spiegeln. Hugo Kükelhaus stellte Objekte für die Sensibilisierung der Sinne auf. Ferdinand Kriwet gestaltete die Hinweisschilder.

Adolf Luther, Wandobjekt

Sehscheibe von Ferdinand Kriwet

Hugo Kükelhaus: Pulsationsscheibe

Günter Weseler (*1930) konzipierte für die Eingangshalle eine “atmende Wand”, die durch ihre pulsierende Bewegung des Schaumstoffs das Vorbeigehen zu einem Erlebnis macht. Es entsteht eine eigentümliche “Lebendigkeit”, der Eindruck eines atmenden Körpers, der in einem vielfältigen Spannungsverhältnis steht: Das eigentlich “tote” Material Schaumstoff wird mit pulsierendem Leben aufgeladen, während andererseits der Standort dieses Objektes, die Fleischfabrik, Schauplatz der Tötung von Leben ist.

Atemobjekt von Günter Weseler, Schaumstoff, 3 x 10 m

Der Aktionskünstler Wolf Vostell (1932-1998) griff das Schlachthof-Thema in provokanter Weise auf: In einer Pausenzone für die Mitarbeiter installierte er das “Auto des Metzgers”; ein mit einem Betonblock und einer Kuh kollidierter amerikanischer Straßenkreuzer, in den Monitore integriert waren, die per Video Szenen aus der Arbeitswelt der Fleischfabrik übertrugen. Das Environment rief heftige Proteste und Diskussionen unter den Mitarbeitern hervor.

Die damit thematisierte – allgemeine - gedankliche Trennung zwischen Fleischkonsum und Tötung traf hier noch den speziellen Aspekt des Arbeitsalltags in einer Fleischfabrik.

Ein Bewußtseinswechsel vollzog sich nicht zuletzt beim Firmeninhaber selbst nach einem von Werner Ruhnau gestalteten Schlachtfest auf der Kräuterhof in Herten: 1984 verkaufte Karl Ludwig Schweisfurth die auf Massenschlachtung beruhende Fabrik und betreibt seitdem einen Öko-Bauernhof in Bayern.

Wolf Vostell, Das Auto des Metzgers

Weitere Abbildungen unter verkäufliche Objekte

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